Die Orchideen der Hörselberge

Zahlreiche Orchideen am Kammweg, dem Mittelberg und in der Apotheke

Noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden im Gebiet rund um Eisenach mehr als 40 Orchideenarten gezählt. Damit hat die Region das reichste Vorkommen an Orchideen in den neuen Bundesländern. Die Hörselberge beheimateten einstmals 21 Orchideenarten. Zwei sind in den letzten Jahrzehnten verschwunden, die Spinnenragwurz (Ophrys sphegodes) und der sehr attraktive Frauenschuh (Cypripedium calceolus). Die Spinnenragwurz konnte wieder angesiedelt werden und erfreut heute die Wanderer. Eine Art ist dazu gekommen, Müllers Ständelwurz (Epipactis muelleri).

Neottia nidus-avis / Vogel-Nestwurz am Mittelberg der Hörselberge

Für die Erhaltung der Orchideen muss einiges getan werden. Luftverschmutzung, Aufforstung, Versäuerung des Bodens, Melioration und Einstellung der Bewirtschaftung von Bergwiesen sind Bedrohungen für die noch bestehenden Orchideenarten. Aber auch intensive Koppelbeweidung, der Einsatz von chemischen Düngern und Herbiziden und Wildverbiss schaden den Orchideen. Der Frauenschuh wurde sehr wahrscheinlich durch "Spatenbotaniker" wegen seiner wunderschönen Blüte entwendet.
Die Pflanzenfamilie der Orchideen ist in der Geschichte der Evolution noch sehr jung. Trotzdem sind den Botanikern weltweit etwa 20000 Arten bekannt. Ihr Lebensraum sind die Tropen, aber auch kalte Gebiete, Wüsten und Hochgebirge. Orchideen haben meist farbenprächtige, duftende und auffallend geformte Blüten. Die Befruchtung erfolgt meist durch Insekten. Die ausgereiften Fruchtkapseln platzen und geben winzige Samen frei, die vom Wind über weite Strecken getragen werden können. Da die Samen kein eigenes Nährgewebe besitzen, sind sie auf die Symbiose mit bestimmten Pilzen angewiesen, die im Boden am Landeplatz vorhanden sein müssen.
Blütezeit der Orchideen ist je nach Art zwischen April und August. Man findet sie auf dem Kammweg des Kleinen und Großen Hörselberges, dem Mittelberg und in der Apotheke.

 

Bienen-Ragwurz / Ophrys apifera

Rotes Waldvöglein / Cephalanthera rubra

 

Folgende Orchideen sind am Hörselberg beheimatet:
Cephalanthera damasonium Weißes Waldvöglein
Cephalanthera rubra Rotes Waldvöglein
Dactylorhiza fuchsii Fuchssche Kuckucksblume
Epipactis atrorubens Braunrote Ständelwurz
Epipactis helleborine Breitblättrige Ständelwurz
Epipactis leptochila Schmallippige Ständelwurz
Epipactis microphylla Kleinblättrige Ständelwurz
Epipactis muelleri Müllers Ständelwurz
Epipactis purpurata Violette Ständelwurz
Gymnadenia conopsea Mückenhändelwurz
Goodyera repens Kriechendes Netzblatt 
Listera ovata Großes Zweiblatt
Neottia nidus-avis Vogel-Nestwurz
Ophrys apifera Bienen-Ragwurz
Ophrys insectifera Fliegen-Ragwurz   
Ophrys sphegodes Spinnen-Ragwurz
Orchis mascula Stattliches Knabenkraut
Orchis militaris Helm-Knabenkraut
Orchis purpurea Purpur-Knabenkraut
Platanthera bifolia Weiße Waldhyazinthe
Platanthera chlorantha Grünliche Waldhyazinthe
Die Erhaltung der Lebensräume und der Schutz der Orchideen am Hörselberg liegt allen Natur- und Heimatfreunden am Herzen. Maßnahmen dazu werden vom "Arbeitskreis Heimische Orchideen" und von den Naturschutzbehörden koordiniert. Es bleibt zu wünschen, dass sich auch die kommenden Generationen an der Artenvielfalt der Orchideen am Hörselberg erfreuen können.