| Die Hörselberge |
| Hänge steil und Klippen wild jäh empor zum Himmel steigen. |
| Eig'ner Art geprägtes Bild, schwingt der Hörselberge Reigen. |
| Zieren wie die Perlen gleich, Heimat dich du schönes Land, |
| sind an Lied und Sagen reich, die des Volkes Mund erfand. |
| Hört ihr, wie er murmelt - leise! - des alten Hirten Wunderquell. |
| Ihm klingt ein Lob zum Preise noch an der selben Stell. |
| Betörte nicht der Venus Sang, einst wohl in früher Zeit, |
| den Minnen, der hier zog entlang zum edlen Sängerstreit? |
| Peitscht der Sturm in dunkler Nacht und zornig grollt der Donner, |
| tobt mit urgewaltger Macht der "Wilden Jagd" Gespensterschar. |
| Jetzt liegt getaucht im Sonnenlicht des steilen Kammes schmaler Steg! |
| Im Busch es knackt und bricht, ein Fuchs bedächtig bahnt den Weg. |
| Sanft wiegen sich des Hasels Reise, Nüsse tragend voll und schwer |
| und leichter Wind beweget leise Schlehenbusch und Holderbeer. |
| Was klopft so laut am Waldessaum? Schlag auf Schlag im Takt. |
| Ein Specht an einem Fichtenbaum des Stammes Rinde fleißig hackt. |
| Milde Lüfte zart bestreichen der Hörselberge Felsenbrust. |
| Ich möcht dem Vogel gleichen, möcht jubeln in voller Lust. |
| Das Auge darf erschauen um mich herum die Lande reich. |
| Der Hörsel blitzend Silberband fließt im tief im Tal einher, |
| spült ihrer Ufer Stein und Sand mit ihren Wassern in das Meer. |
| Ich sehe Dörfer weit und nah, da geht's mir durch den Sinn, |
| so niedlich klein sie liegen da, wie aufgestellt zum Spielen hin. |
| Fern vom Wolkendunst umhangen grüßt mich der Thüringer Wald! |
| Sein Zauber hält mich fest umfangen, hör' noch, wie das Echo hallt. |
| Strahlend dort im Sonnenglanz, leuchtet auch im alten Kleid, |
| Wartburg da im Sagenglanz, Zeuge längst vergang'ner Zeit. |
| Ich schau der Menschen Straßen, schau ferner Städte Lebensspur! |
| Mit ihrem Hetzen, wildem Rasen, stirbt hin die Stille der Natur. |
| Den Bauern auf dem Felde dort bekümmert nicht die Hast der Welt, |
| er fährt mit seiner Arbeit fort, bis er den Acker hat bestellt. |
| Einmal blick ich noch zurück! Tief die Sonne sich gesenkt. |
| Stunden voller Wanderglück hat heute mir der Tag geschenkt. |
| E. Klug, Gotha |