Ludwig Bechstein (1801-1860)

Am 24. November 1801 wurde Ludwig Bechstein in Weimar als uneheliches Kind geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums wurde er Apotheker im thüringischen Arnstadt. 1828 erschienen seine "Sonettenkränze", die den Meininger Herzog auf ihn aufmerksam machten. Der Herzog gewährte ihm ein Stipendium, um ein Studium der Geschichte, Philosophie und Literatur in Leipzig und München aufzunehmen.  
Werke wie "Weissagung der Libussa" oder "Haimonskinder" entstanden. Später stellte der Herzog Bechstein als Bibliothekar an. Seine Leidenschaft für Geschichte und Geschichten zeigt sich auch in der Gründung des "Hennebergischen alterthumsforschenden Verein" durch Bechstein im Jahr 1832, außerdem war er Mitglied verschiedener philologischer und historischer Vereine.
Das bekannteste Werk Bechsteins ist das "Deutsche Märchenbuch". Am 14. Mai 1860 starb er. Ludwig Bechstein publizierte viele Sagen und Märchen Thüringens. So auch das Buch:
Die Sagen des Hörselberges... Klick hier!   Der Sagenkreis der Hörselberge

Zauber des Hörselberges umgaukeln seit Urzeiten die deutsche Phantasie. Jedes Jahrhundert sah sie in anderen Farben. Jedes Geschlecht erzählt sie in anderen Sagen. Woher all das Raunen und Glauben im Blick auf den Sagenberg? Woher all das Geheimnis im unheimlichen Gewande?

War es religiöses Erschauern, das des Berges kahlen, windgepeitschten Scheitel, den ungestüm aus sanfter Ebene emporwachsenden Felskoloss mit Wodans wildem Reich verband? War's ängstlich phantasiegeschwelltes Grübeln am klüftereichen Bergeshang, das sich durch Felsenpforten ins Innere wagte, wo kindliche Augen die Holda thronen sahen, die vielgepriesene, segnende Göttin der Huld?
War's alter Glaube aus dem Orient, der sich dorthin nach jener Höhle verlor in germanischen Landen und raschgläubigen Hirten und Bauern das Bild der Unterweltsgöttin vormalte? Oder war es die Höhle selbst, die Venushöhle am steilen Westhang des Berges, die mit Myriaden feinster Geisterstimmchen sein lauschendes Ohr nach innen bannte?

Sagen

„Und so gewann die deutsche Sagenliteratur immer mehr an Boden, Umfang und Läuterung, indem die einsichtsvollen Sammler mehr und mehr eigene Zuthat mieden, das Märchen und die eigentliche Legende von der Sage schieden, auch die poetisch bearbeiteten Sagen größtentheils nicht in ihre Sammlungen aufnahmen, der reich genug belaubt ist und manche schöne Blüthe zeigt.

„Ich bin den Sagen viel und lange nachgegangen und nachgezogen; im Thüringerwalde kenne ich so ziemlich jeden Weg und Steg.

 Vorwort zum "Deutschen Sagenbuch" 1853

„Vielfache Ausflüge durch Thüringen, Reisen auf den Harz, auf das Riesengebirge, in das bayrische Hochland u. a. ließen mich manche mündliche Sagenblüthe finden und pflücken, die ich zuerst veröffentlicht habe ...

Die literarische Behandlung der deutschen Volkssage. In: Die Wissenschaften im 19. Jahrhundert, ihr Standpunkt und die Resultate ihrer Forschungen. Eine Rundschau... Herausgegeben... unter der Redaktion von Dr. J. A. Romberg. Sondershausen 1858. Dritter Band, S. 406-423

„Ich habe auch ähnliches, und doch wieder nicht ähnliches im Sinn, nämlich eine Werk herauszugeben, betitelt: Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringer Landes. Ich bin in diesem Gebiet ganz heimisch, habe viel gesammelt, und nehme die Brüder Grimm zum Muster; ich theile die Sagen mit, ohne Ausschmückung, kurz volksthümlich, ohne Schilderung der Natur und Gegend, ohne Bilder. Hoffe es auf 4 Bände zu bringen.

Ludwig Bechstein, Brief Nr. 285 vom ?.Oktober 1834 an Ludwig Storch, abgedruckt in: Schmidt-Knaebel, Susanne: "Man muß doch jemand haben, gegen den man sich ausspricht - Ludwig Bechsteins Briefe an Dr. Ludwig Storch.  Aachen 2000, S. 28

„Ich weiß, daß ich mit den Sagensammlungen etwas anstrebe, das die Nachwelt mir danken wird, denn die Poesie, die echte, wahre, die Poesie des deutschen Volkes, die nicht zugrunde ging durch Jahrhunderte voll Abgeschmacktheit und Torheit, die überdauert alle Zeitphasen.

Brief an Ludwig Storch – Auszug -  28. Mai 1843, abgedruckt in: Ludwig Bechsteins Märchenbuch. Leipzig/Weimar 1984, S. 413