Der Ritter Grumbach in Gotha

Wilhelm von Grumbach wurde am 1. Juni 1503 in Rimpar, nahe Würzburg, geboren und starb am 18. April 1567 in Gotha. Er war Ritter und Abenteurer und führte verschiedene Versuche an, die Macht deutscher Fürsten zu zerstören. Von Grumbach versuchte weiterhin, die Macht über den Ernestine Zweig des sächsischen Herrscherhauses wiederzugewinnen. Dies ist bekannt als Grumbach-Fehden.

Wohl ein fast jeder hat schon etwas vom Ritter Grumbach oder den "Grumbachschen Händeln" gehört. Doch so richtig wissen nur die Wenigsten, was es damit auf sich hat. Für Gotha und vor allem für den regierenden Herzog waren diese Ereignisse jedoch von unvorhergesehener Tragweite.

Es war Mitte des 16. Jahrhunderts, als der Ritter Wilhelm von Grumbach, der einem fränkischen Geschlecht aus dem Rhön-Werrakreis entstammte, um Würzburg herum reiche Güter erwarb. Er war der Schwager des bekannten Bauernführers Florian Geyer und soll als dessen Gegner den Tod des edlen Kämpfers bei einem Überfall in der Nähe von Hall verschuldet haben.

Durch seine gute höfige Bildung, noch mehr aber durch seine Verdienste auf kriegerischem Gebiet stand er in hohem Ansehen beim Würzburger Bischof Conrad von Bibra. Dieser erhob ihn sogar zum Hofmarschall. Kurz vor dem Tode des Bischofs übergab dieser dem Grumbach ein persönliches Geschenk in Höhe von 10.000 Goldgulden, jedoch ohne Zustimmung des Kapitels einzuholen.

Bibras Nachfolger, Melchior Zobel von Giebelstadt forderte deshalb dieses Geld von Grumbach zurück. Grumbach zahlte und nahm seinen Abschied von Würzburg. Später erwarb sich große Verdienste im Schmalkaldischem Krieg auf Seiten der Reformisten. Da er neben seinen kriegerischen Fähigkeiten auch sehr großes Geschick auf dem diplomatischem Parkett besaß vermittelte er mehrmals zwischen den Parteien. Aus Dankbarkeit dafür wollte ihn daraufhin der Bischof von Würzburg statt der 10.000 Goldgulden mit dem Kloster Maidbronn und sechs Dörfern abfinden doch fand diese Transaktion nie statt, da sie ständig an irgendwelchen Kompetenzen zwischen Bischof und Kaiser Karl V. aufgehalten wurde. Grumbach klagte beim Reichsgericht gegen den Bischof. Auch drohte er dem Bischof Gewalt an. Dieser erhob eine Widerklage auf Achtserklärung gegen Grumbach. Da das Gericht Kaiser und Reich absolut hörig, ein Urteil aber zu Gunsten des Bischofs in jedermanns Augen Unrecht war, erließ dieser Gerichtshof nie ein Urteil.

Grumbach suchte sich nun Verbündete. Diesen fand er vor allem in dem Herzog Johann Friedrich dem Mittleren, der durch den Verrat seines Vetters Moritz von Sachsen, als dieser mitten im Schmalkaldischen Krieg aus den Reihen der Reformisten ins kaiserliche Lager übergewechselt war, einen Teil seines Landes und die Kurwürde verloren hatte.

Grumbach stellte ihn die Wiedererlangung der Kurwürde in Aussicht und vermittelte in der Brautwerbung von Herzog Johann Friedrich gegenüber der Prinzessin Elisabeth von der Pfalz.

In der Zwischenzeit ließ Grumbach nichts unversucht sich des Bischofs von Würzburg zu bemächtigen. Dreimal zog sein Diener und engster vertrauter Kretzer gegen den Bischof, zweimal vergeblich, beim dritten Attentat 1558 wurde Melchior von Zobel mit seinen Hofherren Fuchs von Winfurt und Carl von Wenkheim getötet. Die Mörder entkamen.

Der Nachfolger des Bischofs, Friedrich von Wirsheim nahm sich mit großer Energie der Verfolgung der Täter an. Kretzer wurde an der französischen Grenze gefangen, er erhängte sich aber ehe ihm der Prozeß gemacht werden konnte.

Nach seiner Rückkehr aus Frankreich hielt sich Grumbach meistens im Schlosse seines Sohnes in Hellingen auf. Dort entdeckte er seinen späteren, etwas seltsamen Helfer, den "Engelseher" Hänschen Tausendschön, einen Bauernknaben aus Sundhausen bei Gotha. Dieser behauptete in ständigem geistigen Verkehr mit Engeln zu stehen, die ihm die Zukunft verkündigen. Mittels diesem Knaben und dem Hofschreiber am Herzogshofe von Gotha gelang es Grumbach den Herzog Johann Friedrich davon zu überzeugen, daß es Gottes Ratschluß sei ihm, die in der Schlacht bei Mühlberg an der Elbe. verlorene Kurwürde ohne jegliche Kampfhandlungen wieder erlangen zu lassen.

Nach und nach brachte sich Grumbach so in das völlige Vertrauen des Herzogs. Mit Unterstützung des Herzogs und der "himmlischen Hilfe" durch den Engelseher konnte  Grumbach einen Handstreich gegen Würzburg durchführen, der Dank der hervorragenden Vorbereitung ein voller Erfolg wurde. Grumbach war mehrere Tage, anstatt des geflohenen Bischofs, allmächtiger Herr über Würzburg und das Bistum. In seinen Bedingungen für die Freigabe von Würzburg diktierte er dem Bischof die härtesten Bedingungen für seine Entschädigung, welche der Herzog sofort unterschrieb. Grumbach zog von Würzburg ab und entließ sein Kriegsvolk.

Durch diese Tat fühlt sich aber nicht nur der Bischof sondern auch der Kaiser gedemütigt und verwarf den Vertrag, weil er militärisch erzwungen wurde. Er erklärt Grumbach und dessen Freunde von Stein und von Mandelslohe in die Acht außerdem verbietet er dem Herzog Johann Friedrich strengstens, die Ächter bei sich zu behalten. Der folgende Reichsdeputationstag in Worms stimmt dieser Ächtung zu.

Da die Zentralgewalt gleichzeitig Maßnahmen ergreift, um die Acht zu vollstrecken, sinnt nun Grumbach, wie er dem immer enger werdenden Kreis entfliehen kann.  Durch den Beschluss Kaiser Maximilians II., der gerade in dieser Zeit (1564) auf Kaiser Ferdinand folgte, die Sache durch den nächsten Reichstag entscheiden zu lassen, gewinnt Grumbach zwei Jahre Zeit.

Diese nutzt er indem er politische Ränke zwischen den europäischen Landesherren schürt und einen allgemeinen Ritteraufstand vorbereitet. Dieser stand im Frühjahr 1565 unmittelbar bevor. Das nichts daraus wurde lag lediglich daran, daß Grumbach nicht die dazu nötigen Gelder aufbrachte. Nun machte er eine Wendung um 180 Grad und versuchte mit einem grandiosen Schachzug den Kaiser für sich einzunehmen. Durch den jüngeren Justus Jonas, Philipp von Farnroda und Baumgärtner ließ er dem Kaiser schriftlich und mündlich darlegen, daß der Ritteraufstand nicht gegen ihn sondern gegen die Fürsten gerichtet gewesen sei, und das er einen Gedanken Karl V. aufgegriffen hätte und die Ritterschaft dem Kaiser zum Kampf gegen die Türken anböte. Der Kaiser blieb trotz einer letzten zweistündigen Audienz des Eisenachers Husanus bei dem Beschluss eine Entscheidung durch den Reichstag herbeiführen zu lassen.

Diese Tagung fand im März des Jahres 1566 in Augsburg statt. Hier aber wurde Grumbach zu einer politischen Schachfigur in der Auseinandersetzung der lutherisch-kalvinistischen Partei gegen die katholische. Kurfürst August von Sachsen führte mit überlegener Diplomatie im reformierten Lager und veranlasste auch Johann Friedrichs Schwager, Friedrich von der Pfalz sowie alle protestantischen Fürsten Grumbach fallen zu lassen, um den Kaiser zu Zugeständnissen in der religiösen Frage zu gewinnen. Die Gothaischen Räte Husanus und Obernitz erkannten sofort die Lage und versuchten beim Herzog eine sofortige Trennung von Grumbach und den Ächtern herbeizuführen, umsonst.

Am 7. Mai erging vom Reichstag der einstimmige Beschluss auf Erneuerung und Vollstreckung der Acht gegen alle Beteiligten. Kurfürst August von Sachsen wurde mit der Ausführung beauftragt und die dazu notwendigen Mittel aus der Reichskasse bereitgestellt. Gleichzeitig reiste eine Gesandtschaft an Herzog Johann Friedrich um ihn aufzufordern die Ächter zu entlassen.

Johann Friedrich aber schlug alle Warnungen seiner Freunde und Verwandten in den Wind. Die Gesandtschaft empfing er sehr freundlich, bewirtete diese ordentlich und erklärte ihnen als Antwort an den Reichstag und den Kaiser, daß Grumbach nur ihm zuliebe den Adelsaufstand abgeblasen hätte und er sich außerstande sehe Grumbach und seine Freunde gefangen zu setzen oder des Landes zu verweisen.

Nach diesem offenen Affront gegen Reich und Kaiser musste die gewaltsame Vollstreckung der Acht erwartet werden. Der Herzog und auch Grumbach waren in Gotha guter Dinge und glaubten nicht an ein militärisches Eingreifen.

Erst als August von Sachsen in Erfurt Truppen sammelte und Johann Friedrich von drei kaiserlichen Kommissaren letztmalig aufgefordert wurde Grumbach und seine Helfer auszuliefern glaubte er endlich an einen militärischen Konflikt und sammelte seine Truppen rings um Gotha. Jedoch erschien der gothaische Landadel nicht und so hielt sich sein militärisches Aufgebot in Grenzen.

Als August von Sachsen vor Gotha erschien, beschränkte er sich auf die Belagerung von Gotha und Schloss Grimmenstein. Insgesamt wurde der Krieg von beiden Seiten sehr lustlos geführt. Es kam zwar hin und wieder zu Ausfällen der Gothaer, die für sie zumeist recht günstig verliefen und auf beiden Seiten kaum größeren Verluste verursachten, ansonsten gab es aber keine größeren Auseinandersetzungen.

August hatte eine andere Taktik gewählt, er vertraute, heute würde man sagen auf die ideologische Kriegsführung. Aufwiegelnde und warnende Schriften wurden reichlich in die Stadt geschmuggelt und an die Verteidiger und die Bevölkerung verteilt. Nach relativ kurzer Zeit zeigten diese ihre Wirkung. Man verweigerte dem Herzog bei einem Generalappell auf dem Schlosshof den Gehorsam wenn er sich nicht sofort von Grumbach trennen würde und holte den Ritter aus dem Bett eines Prinzen heraus. Herzog Johann Friedrich versuchte Grumbach zu verteidigen doch half dies wenig. Auch die Helfer Grumbachs Kanzler Brück, der Engelseher, Wilhelm von Stein und noch einige andere wurden gefangen gesetzt.

Die Stadttore wurden dem Kurfürsten August geöffnet und dieser zog in Gotha ein ohne daß nennenswerte Schäden entstanden waren. Auf Grund dieser Kapitulation verlangte August von der Stadt lediglich seine Huldigung. Den Ächtern aber wurde sofort der strengste Prozess gemacht.

Grumbach, Kanzler Brück und Stein wurden gevierteilt (die Stelle ihrer Hinrichtung markiert noch heute ein Kreuz im Pflaster vor dem Rathaus von Gotha). Grumbach und Brück wurden vorher noch die Brust geöffnet, das Herz aus dem Körper gerissen und ins Gesicht geschlagen, wobei der Scharfrichter Grumbach die Worte zurief: "Sieh Grumbach, dein falsches Herz". Stein erhielt die "Gnade" vor der Vierteilung mit dem Schwert gerichtet zu werden. Der Engelseher Hänschen Tausendschön wurde gehängt. Der Rest der Ächter wurde mit dem Schwert gerichtet. Die Körperteile der Gevierteilten wurden auf zwölf Stangen vor den Toren Gothas ausgehangen.

Burg Grimmenstein wurde geschliffen. Der Herzog kam zuerst nach Dresden, später nach Wien, wo er in einem offenen Wagen bei strömenden Regen zur Belustigung der gaffenden Menge herumgefahren wurde. Danach war er 22 Jahre in kaiserlicher Haft in Neustadt. Bis zu ihrem Tode im Jahre 1594 stand ihm dabei seine Ehefrau Elisabeth treu zur Seite. Danach kam er nach Speyer, wo er am 9. Mai 1595 völlig vereinsamt starb. An der Stelle in Gotha, wo sich einst die Burg Grimmenstein erhob steht heute Schloss Friedenstein.

 

Aus Thür. Monatsblätter 02/1937 - Dr. Wilhelm Greiner

Bearbeitet: hajosa