Das
Heidekraut (Calluna vulgaris) auch
Besenheide genannt
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Die
Besenheide ist ein 20-80 cm hoch werdender Zwergstrauch, er kann ein
Alter von 10-15 im Einzelfall auch bis 40 Jahre erreichen. Aus den
niederliegenden tief wurzelnden
Sprossen steigen die reich verzweigten Stämmchen empor und
tragen somit zur vegetativen Vermehrung bei. Die 1-3 mm langen
lineallanzettlichen Blättchen decken sich dachziegelartig, sie sind
nach oben eingerollt, so daß die Spaltöffnungen in einer mit Haaren
besetzten Spalte zu liegen kommen. Die Wurzeln leben mit einem Pilz in
Symbiose (Mykorrhiza), diese Lebensgemeinschaft ist für die Versorgung
mit Nährstoffen gerade auf den basenarmen Heideböden von großem
Nutzen. Am
5 bis 15 cm langen Blütenstand der Besenheide erscheinen die Einzelblüten
dem Betrachter wie kleine Glöckchen. Betrachten wir einmal die Einzelblüte
etwas genauer: Vier Hochblätter bilden einen grünen Außenkelch. Auffällig
sind dann die violettrosa gefärbten Kelchblätter, sie überragen
deutlich die eigentlichen Blütenblätter. Es folgen acht Staubblätter,
die in zwei Kreisen angeordnet sind. Sie werden von einem langen Griffel
überragt. Der vierfächrige Fruchtknoten entwickelt sich zu einer
kugligen Frucht. In den Blüten entsteht reichlich Nektar, aus ihm wird
der wertvolle Heidehonig gewonnen. Die
Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae) ist mit 100 Gattungen und
3000 Arten über die gemäßigten Zonen der Nord- und Südhemisphäre
verbreitet. Es handelt sich bei den Ericaceen um eine
entwicklungsgeschichtlich
alte Pflanzenfamilie, dafür spricht die weltweite Verbreitung.
Schon in der Kreidezeit, vor mehr als 100 Millionen Jahren, lag das
Entstehungszentrum in tropisch-subtropischen Zonen. Das
Verbreitungsgebiet der Besenheide (Calluna vulgaris) reicht heute über
Spanien und Portugal bis nach Norwegen und ostwärts bis nach
Westsibirien. Im 19. Jahrhundert brachten schottische Einwanderer die
Besenheide mit nach Kanada, um sich dort an der heimatlich vertrauten
Pflanze zu erfreuen. Sie hat sich seitdem in Nordamerika ausgebreitet
und gilt dort als Neophyt. Der
Name Heide findet sich im Althochdeutschen als "heida". Dieses
Wort geht auf das indogermanische "kait"zurückund bedeutet
soviel wie "unbebautes Land". Der Name Heide für einen ungläubigen
Menschen setzt die Vorstellung voraus, daß dieser Heide aus dem
unbebauten Land, aus der "Wildnis" kommt. Der
wissenschaftliche Gattungsname Caluna ist wahrscheinlich vom
griechischen kalynein abgeleitet und kann mit "schön machen,
reinigen" übersetzt werden. Das Wort Besenheide für unser
Heidekraut zeigt, daß man mit ihm Kehrbesen anfertigen konnte. Im Verständnids des Volkes ist mit dem Begriff Heide eine gewisse Romantik verbunden. Auch der unvergessene Dichter dieser Landschaften, Hermann Löns (1866-1914) hat nicht unwesentlich zu dieser Begeisterung beigetragen. Seine Tiergeschichten haben bis in unsere Zeit ihren Zauber bewahrt. |
| Meine Augen, die gehen wohl hin und her | |
| Auf dem schwarzen, weißflockigen Moor, | |
| Auf dem braunen, grünschäumenden Haidemeer, | |
| und schweben zum Himmel empor |
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In
ferner Vergangenheit sah man die Heide mit ihren Hühnengräbern und den
aufrechten Wacholdern als Stätten, auf denen gewaltigen Schlachten
geschlagen wurden. Man glaubte dass aus dem Blut der gefallenen Kämpfer
die rötlich blühende Heide hervorwuchs. In
der Lüneburger Heide gibt es so manche Berichte über Spökenkieker, kräuterkundige
Schäfer und auch über die Brennhexe, die das trockene Heidegesträuch
anzündet und die Menschen ängstigt und erschreckt. Es sei auch erwähnt,
daß auf den Heiden der schottischen Highlands der Hexenkonvent zusammen
kommt. In
Süddeutschland glaubt man, daß ein an der Decke aufgehangener
Heidekranz die Hexen verscheucht. Die Schwaben meinen zu wissen, daß
ein strenger Winter kommt, wenn das Heidekraut bis in die Zweigspitzen
hinein blüht. Im
Braunschweigischen sollman einen weißblühenden Heidezweig unter das
Kopfkissen legen, dann wird das Geträumte wahr. In der Pfalz steckt man
hinter den Spiegel einen Heidezweig, dann wird kein Blitz das Haus
treffen und kein Hagelschlag die Saat verwüsten. Schon
in der Antike diente der blühende Heidezweig als Mittel gegen
Schlangenbisse - hier ist allerdings nicht die Besenheide, sondern die
Baumheide (Erica arborea) gemeint, die den Pfeifenrauchern wegen ihres
wertvollen Wurzelholzes (Bruyere) bekannt ist. Im 16. Jahrhundert schreibt der Arzt Leonhart Fuchs (1505-1566), einer der Väterr der Botanik: "Die Blüten der Heide in Wein und Wasser gesotten und getrunken, zerteilen die Geschwülste und stillen die Schmerzen der Lende und die des Bauches." Sebastian Kneipp (1821-1897) schätzte das Heidekraut als blutreinigendes Mittel und zur Behandlung von Rheuma und Gicht. |
Aus "Hessischer
Gebirgsbote" 103. Jahrg. Nr. 3; Juli - September 2002; Heinz Wiedemann