Der treue Eckart und die wilden Jäger

Der wilde Jäger fährt oft in stürmischen Winternächten über den Wald, wenn Frau Holle die Betten ausschüttelt, dass die Flocken wie Federn vom Himmel fallen. Und Frau Holle fährt auch mit ihm. Mit einer großen Zahl Geister wohnt er im Inneren des Hörselberges, aber wenn die Zeit gekommen ist, sieht man das Gelichter der Hölle zu Fuß und zu Ross zwischen den Bäumen und hoch durch die Lüfte jagen. Zuweilen erkennt man darunter Leute, die noch leben, und auch andere, die schon verstorben sind. Solch Gespenster gibt es in vielen Landen, aber sie haben ihren Sitz vornehmlich im Hörselberg.

Wenn nun der wilde Jäger mit seinem wütenden Heere auszieht aus dem Zauberberg, so geht ihm jederzeit ein alter Mann voraus, mit weißem Haar, der trägt einen Stab in seiner Hand, und das ist der getreue Eckart. Wer diesem begegnet, wird von ihm gewarnt, zur Seite zu treten und die Augen zu schließen, dass er den Spuk nicht sehe, wenn er ihn auch hören muss. Daher ist ein Sprichwort im Volke entstanden:

Du bist der getreue Eckart, du warnest jedermann!

Sobald der Tag graut und der Hahn kräht, fährt all der Spuk in den Hörselberg hinein. Den lässt der treue Warner an sich vorüberziehen und setzt sich in die düstere Felsenspalte, wo er harrt und wacht und jeden warnt, der hinein will in die Venushöhle. Man hat in früheren Zeiten oft den Boden vor der Höhle glatt gekehrt und am anderen Morgen Fußspuren von Menschen und Tieren in großer Menge gefunden.

>>> alle Hörselberg-Sagen >>>