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Die Wanderung beginnt in Wutha- Farnroda. Hier, wo die wutaha, der reißende und wütende Bach, oder heutige Erbstrom, in die Hörsel mündet, sind wir im Ortsteil Wutha, welcher im Jahre 1928 aus den Dörfern Wutha und Eichrodt gebildet wurde. Dabei war Eichrodt das Bekanntere der beiden Dörfer, berichten doch die Annalen der Gefechte beim Rückzug der napoleonischen Truppen von einer Schlacht am Fuße des Hörselberges bei dem Dorfe Eichrodt. Vom Bhf. Wutha aus gehen wir in Richtung Weinbergstraße, steigen aber nicht zum Kleinen Hörselberg hinauf, sondern wandern weiter in Richtung Ortsausgang. Wir verlassen Wutha in Richtung des Kreisels und halten uns nach etwa 100 Metern links. Hier steht zwischen zwei alten Linden ein Denkmal. Gewidmet ist es dem Leutnant Friedrich Hellwig, der in einem Handstreich mit einigen Husaren über tausend preußische Soldaten aus französischer Gefangenschaft befreite.

Ausblicke vom Kammweg des Großen Hörselberges

Wir gehen nun zurück zum Zickzackweg und steigen auf zum Kleinen Hörselberg. Wie ein Koloß in die Landschaft gewuchtet, als wollten sie die beiden Flußschwestern Nesse und Hörsel auf immer voneinander trennen, so liegen sie da, die beiden Hörselberge, die Mittel- oder Herrenberge in ihre Mitte nehmend. Auf der Südseite ragen die Felsen steil wie eine Festungsmauer empor, während sich die Nordseite freundlicher gibt Im Nessetal herrscht ein gemäßigtes Waldklima vor, während die Kalksteinklippen ein der Pflanzenwelt feindliches, trocken- bis heißes Klima besitzen. Auch die Böden sind, im Bereich der Klippen, sehr nährstoffarm. Aber gerade dort finden wir viele Pflanzen und Pflanzengesellschaften, die als Spezialisten den hier herrschenden Bedingungen gut angepaßt leben können. Leider ist der größte Teil sehr selten geworden oder vom Aussterben bedroht. An erster Stelle sind hierbei die über 20 Orchideenarten zu nennen,

Wanderung vom Zapfengrund zum Kammweg des Großen Hörselberges

die, wenn auch ganz versteckt, zwischen den hochaufgerichteten Kalksteinklippen wachsen. Aber noch etwas macht die Hörselberge so interessant. Auf Grund der geologischen und botanischen Besonderheiten dieses Höhenzuges hatten die seit altersher hier lebenden Menschen die Berge zu einem geheimnisumwitterten Sitz der Naturgottheiten erkoren und deshalb die Gipfel der Hörselberge mit einer Vielzahl von Sagenkränzen umwunden. Diese drehten sich vor allem um die Fruchtbarkeitsgöttin Hulda- Holle bzw. später um die Frau Venus. Reichlich vorhandene Höhlungen und Höhlen wurden so zum Eingang zur Unterwelt oder zum Ort geheimnisvoller Geschehnisse. Vom Gipfel des Kleinen Hörselberges haben wir eine herrliche Aussicht ins tief unter uns liegende Hörsel- und Erbstromtal bis hinüber zu den Gipfeln des Thüringer Waldes am Rennsteig. Nach kurzer Verschnaufpause geht es weiter auf den Kammweg in Richtung Großer Hörselberg. Nach ca. 1,5 Stunden erreichen wir den Gipfel. Oben angelangt lohnt

Hörselberghaus und Funkturm auf dem Plateau des Großen Hörselberges

sich eine Rast, um die Aussicht zum Thüringer Wald mit dem Großen Inselsberg zu genießen. Blick vom Kammweg des Kleinen Hörselberges auf den Thüringer Wald Uns aber zieht es nun nach diesem anstrengenden Aufstieg zu einer zünftigen Rast ins altehrwürdige Hörselberghaus. Dieses Haus wurde 1889/1890 vom Thüringerwald-Verein geplant, finanziert und erbaut und ist heute der gern besuchte Berggasthof Hörselberghaus. Nachdem wir uns frisch gestärkt haben, wird es Zeit, an den Abstieg zu denken. Wir nehmen dazu den Weg über die Venushöhle. Diese Höhle ist es, die früher einst Hörselloch genannt, in der Sage der Eingang zum Fegefeuer oder zum Liebesschloß der Männerverführerin Venus darstellt. Richard Wagner hat die hier spielende Legende vom Ritter Tannhäuser, der im Liebesschloß der Frau Venus so manche amoröse Stunde verlebte, in einer der schönsten Opern verewigt.

Die Höhle selbst ist eine kleine schmale Kluftspalte im Kalkstein, die vielleicht sechs Meter in den Berg reicht und dann immer enger wird, um schließlich für einen Besucher, der nicht unbedingt auf dem Bauche kriechend Höhlen erforschen will, unpassierbar zu werden. Sie ist bis heute das Zentrum der Sagenkränze, die sich um den Hörselberg und seiner Umgebung seit Jahrhunderten winden. Auf unserem Weg, ständig abwärts führend, erreichen wir sehr bald das Jesusbrünnlein. Es ist heute eine gefaßte Quelle, die ebenso wie die Venushöhle Ort mancher sagenhafter Geschehnisse am Hörselberg war. Vor allem Fruchtbarkeitskulte wurden hier wahrscheinlich zelebriert, die die nach der Christianisierung hier ansässigen Menschen in kirchliche Feste umwandelten. So der auch der hier alljährlich am Sonntag nach Pfingsten, dem Kräutersonntag, stattfindende Waldgottesdienst. Durch den Zapfengrund gelangen wir schließlich zum Bahnhof Schönau an der Hörsel, unserem heutigen Ziel.